Michael Schodermayr mahnt: „Es ist fünf vor 1934“
Mehr als 200 Teilnehmer:innen hörten am 12. Februar die Gedenkrede des Steyrer Vizebürgermeisters
Steyr. Eine eindringliche Mahnung hat die Gedenkrede des Steyrer Vizebürgermeisters Michael Schodermayr am 12. Februar enthalten: „Es ist fünf vor 1934!“ Er spannte mit klaren Worten einen Bogen vom Arbeiteraufstand, der 1934 das Ende der Demokratie besiegelte, bis in die jüngere Vergangenheit und zu aktuellen Ereignissen. Mehr 200 Teilnehmer:innen trotzten dem mitten in die Kundgebung platzenden Regen.
Michael Schodermayr, er ist auch Vorsitzender Volkshilfe OÖ, sagte: „Im neuesten Rechtsextremismus-Bericht wird auf 220 Seiten die größte Fraktion im Nationalrat 252 Mal genannt. Ein Allzeithoch.“ Und, so resümierte Michael Schodermayr, „die Kickls in unserem Land werden immer mehr. Und sie werden immer lauter und dreister und penetranter in ihrem Auftreten. Auch hier bei uns in Steyr.“ Damit bezog sich der Stadt-Vize auf die sogenannten Spaziergänger:innen. Die Versammlungsfreiheit bezeichnete Michael Schodermayr als hohes Gut, welches von Arbeiter:innen, von Demokrat:innen erkämpft worden war. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns dieses Grundrecht nicht von Rechtsaußen nehmen lassen“, so Michael Schodermayr, „Versammlungsfreiheit ist kein Freibrief für Menschenverachtung und Tarnmantel für autoritäre Ideologien.“ Scharfe Kritik richtete er an den von der Wochenzeitung „FALTER“ als „Verschwörungssender“ bezeichneten Sender RTV. „Mit Inbrunst verbreitet er eine toxische Mischung aus Alternativen Fakten, Verschwörungstheorien, Halb- und Unwahrheiten.“ Und RTV sei eine Bühne für Rechtaußenvertreter:innen und identitären Ideolog:innen.
Das Trump-System kam in der Rede ebenfalls als warnendes Beispiel vor. „Die USA, ehemalige Vorzeigedemokratie, führen uns seit einem Jahr eine makabre Realityshow vor, in der wir die Implementierung des Faschismus mitverfolgen können.“
Michael Schodermayr sagte, den Ruf „Wehret den Anfängen“ hätten wir zu wenig ernstgenommen. Er warnte davor, in Lethargie und Resignation zu verfallen und zitierte den Aufklärer Georg Lichtenberg: „Wo Mäßigung ein Fehler ist, da ist Gleichgültigkeit ein Verbrechen!“
Die Gedenkfeier fand beim Mahnmal im Park an der Wokralstraße (Ennsleite) statt. Traditionell wurden Kränze, Kerzen und rote Nelken bei Mahnmal niedergelegt. Bei der alljährlich von der SPÖ organisierten Kundgebung am 12. Februar waren Vertreter:innen anderer Parteien dabei, ebenso eine Abordnung der Pfarre Ennsleite, der Jungen Generation und der Sozialistischen Jugend sowie der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer:innen und der Gewerkschaften.